Samstag, 30. Mai 2015

Keine Spur von Mutterschutz und Elterngeld

Mit Blick auf meinen Babybauch erzählte mir eine Kassiererin im Supermarkt stolz, dass sie auch erst letztens Mutter geworden ist. Vor acht Wochen! Ich war sprachlos. Aber in einem Land ohne bezahlten Mutterschutz und ohne Elterngeld liegt es an der Tagesordnung, dass viele frisch gebackene Mamas ziemlich schnell wieder arbeiten gehen müssen. 
Natürlich heißt das im Umkehrschluss auch, dass sie quasi bis zu den Wehen ihrem Job nachgehen. Nachfragen bei meinen "Yoga-Mädels" im Prenatalkurs ergaben, dass eine unbezahlte (!) Freistellung oder Arbeitszeitreduzierung vor und nach der Geburt reine Verhandlungssache mit dem jeweiligen Arbeitgeber ist. Für viele Schwangere kommt das aber zumindest vor der Niederkunft nicht in Frage: "Save as much money as possible" lautet die Devise einer Teilnehmerin meiner Yoga-Klasse, die als Kellnerin in einem Steakhouse beschäftigt ist. Sie will so lange wie möglich arbeiten, um durch den Finanz-Puffer zumindest nach der Geburt mehr Zeit mit dem Baby verbringen zu können. Angst um ihren Job muss sie dabei immerhin nicht haben, auch wenn sie nicht offiziell vom "Family and Medical Leave Act" profitiert: Das Gesetz sichert den Arbeitsplatz der Frauen bei Firmen mit mehr als 50 Beschäftigten für 12 Wochen.
Auch wenn Kalifornien, Rhode Island und New Jersey mittlerweile Gesetze für eine bezahlten Mutterschutz erlassen haben, insgesamt sind Kids in den USA absolute Privatsache und die Eltern müssen sich fernab von jeder staatlichen Unterstützung (auch kein Kindergeld) selbst um ihre Finanzierung kümmern. Entsprechend verbreitet sind Kitas, die bereits spezielle "infant programs" für Babys ab einem Alter von sechs bis acht Wochen anbieten. Wem die Betreuung zu teuer ist, teilt sich mit anderen Familien eine Tagesmutter oder greift auf die Hilfe von Familienangehörigen zurück. Hält das System die Amerikaner vom Kinderkriegen ab? Ganz im Gegenteil: Die Geburtenrate lag 2013 mit einer durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau von 1,9 höher als in Deutschland (1,4).

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